BergwaldprojektWoche – Fichtelberg (Aug. 2021)

Einfach hart abschalten in nur einer Woche – mit dem Bergwaldprojekt –

In der letzten Woche hab ich zum ersten Mal am Bergwaldprojekt (https://www.bergwaldprojekt.de/) teilgenommen und habe eine Woche lang im Fichtelgebirge zusammen mit einer Gruppe von 18 gut gelaunten, sehr motivierten und engagierten Leuten im Wald, dem Moor und dem Weißen Main gearbeitet.

Das Forsthaus Neuhaus bei Sophiental war unsere Basisstation. Dort hat uns Tobby, die Bergwaldprojektköchin, meisterhaft vegetarisch bekocht.

Jeder brachte sein eigenes Zelt mit, dass wir oberhalb des Forsthauses auf einer riesen grossen Wiese aufstellen konnten. Es gab keinen Strom und fliessendes Wasser kam aus direkt aus dem Brunnen am Wegesrand, der gleichzeitig den Kühlschrank darstellte.

Das moderne Plumpsklo, die Feuerstelle und eine Hängematte perfektionierten die Camp-Infrastruktur. Ausserdem gab es noch ein grosses Gemeinschaftszelt, in dem wir anfangs Frühstück und Abendessen zu uns nahmen, aber später einfach die Tische und Bänke ins freie trugen um dort bei traumhaft schönem Sommerwetter das gemeinsame Essen zu genießen.

Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter, denn die Wochen vorher und nachher waren eher regnerisch und kalt und unsere Projektwoche war die einzige Bilderbuch-Sommerwoche weit und breit.


Was haben wir fünf Tage lang gemacht?

Am ersten Tag sind wir mit unseren zwei VW-Bussen und jeweils 9 Leuten zu einer ehemaligen Stromtrasse gefahren, die als besonders wertvolles Biotop freigehalten werden soll. Hier müssen regelmässig junge Triebe von alten Fichten, Faulbäume und alles mögliche Gehölz entfernt werden, damit die Fläche sich nicht wieder in Wald verwandelt.

Von der Mitte des Berghangs hat sich ein Team nach oben gearbeitet und das zweite Team bearbeitete den unteren Teil bis zur Strasse.

Mittags trafen wir uns wieder auf der Forststrasse, wo eine kleine Kochcrew auf zwei großen Hobokochern die mitgebrachte Suppe auf offenem Feuer erwärmt hatte.

Nach einem kleinen Nickerchen auf dem Weg gings wieder an die Arbeit bis ca. 16:30 Uhr. Nach jedem Arbeitstag hielten wir auf dem Weg zurück zum Camp an einer Badestelle, um ein wenig Erfrischung zu geniessen und zumindest grob den Dreck des Tages abzuwaschen. Am ersten Tag und den beiden letzten Tagen war unser Ziel der Wurzbachweiher, der enormes Erfrischungspotential hatte (in anderen Worten: das Wasser war saukalt!) Es kostete mich einiges an Überwindung, aber hinterher fühlte ich mich wie neugeboren 🙂


Am zweiten Tag sind die beiden Busse zu unterschiedlichen Einsatzorten gefahren. Meine Gruppe fuhr zu einer Stelle im Wald in der Nähe von Warmensteinach, wo sich der japanische Staudenknöterich auszubreiten versucht. Mit Sensen und blossen Händen sind wir den Pflanzen zu Leibe gerückt und haben ihn an zwei Stellen so gut wie möglich ausgemerzt. Wohlwissend, dass er im nächsten Jahr wieder auftreten wird, da es sich dabei um einen Rhizom-Geophyt handelt, der seine gesamtes Wuchspotential im Rhizom unter der Erde verwahrt. D.h. es ist super wichtig den unterirdischen Teil zu entfernen, um die Ausbreitung dieses invasiven Neophyt wirksam einzudämmen.

Nach der Frühstückpause sind wir dann zur nächsten Einsatzstelle, nämlich der Moorfläche neben dem Seehaus Parkplatz an der B303 gefahren worden.

Dort hiess es Gummistiefel an! Aehm … tatsächlich hatte ich das mit den Gummistiefeln auf der Packliste nicht ganz ernst genommen und hatte stattdessen ein paar Halbschuhe dabei. Ein Schritt auf der Moorfläche und ich stand knöcheltief im leicht moorig riechenden Wasser. Lecker!

Dort war die Aufgabe, die Bäume, welche versuchten die Fläche für sich zu gewinnen, zu entfernen und im Wald am Rand zu deponieren. Wir haben Fichte, Birke und noch eine Baumart, deren Namen ich nicht mehr erinnere, entfernt. Fichtenstämme wurden entastet und für Wegeausbesserungsarbeiten beiseite gelegt.

Diese Location sollte sich als mein Lieblingseinsatzort herausstellen, denn ich konnte jederzeit mein mitgebrachtes Kaffeetässchen (aka 500ml Titankochtopf) im Imbiss mit Kaffee auffüllen lassen.

Für das anschliessende Reinigungsbad fuhren wir diesmal an den Fichtelsee. Das Wasser dort war arg braun und hinterliess eine etwas schleimige Schicht auf der Haut.


Auch am dritten Tag sollten Gummistiefel getragen werden, denn es ging in mehreren kleinen Teams bei Glasermühle an den Weissen Main. Dort wurden wir von Florian, einem Förster im Praktikumsjahr in Empfang genommen und nach einer kleinen Besichtigungstour der Rettungspunkte der Umgebung, in unsere Aufgabe eingewiesen. Mit Müllsäcken und Eimern gingen wir also munter ins Wasser, um im Weissen Main und am Ufer nach Müll aller Art zu suchen und zu sammeln. Es kam einiges an Glasflaschen, Plastikmüll, Bauschutt, Kleidungsstücken, Bierdosen usw. zusammen, aber auch eher skurile Dinge wie Sofas, Autositze, Autoreifen usw. konnten geborgen werden.

Nach der Mittagspause wurde ein Teil des Teams abgeordnet um mit Florian die Sachalin-Staudenknöterichbekämpfung aufzunehmen. Dieser Gruppe schloss ich mich an, weil ich mir am Vormittag eine kleine Verletzung am Bein eingefangen hatte und nicht noch den Rest des Tages im Wasser herumlaufen wollte.

Florian hat uns nochmals eindringlich auf die Entfernung des Rhizoms hingewiesen und so gingen wir noch gründlicher als am Vortag bei unserer Arbeit vor.

Im Anschluss fuhren wir zum Moorbad in Fleckl. Dort konnte man sich kalt und ohne Shampoo duschen, was schon als kleiner Schritt in Richtung Luxusleben angesehen werden konnte.

In dieser Nacht sollte ein Perseiden Strom auftreten und ich nutzte die einmalige Gelegenheit, in dieser nur wenig lichtverschmutzten Gegend auf einer Plane mein Nachtlager einzurichten. Dadurch konnte 12 Sternschnuppen beobachten, bevor mir die Augen zufielen.


Am vierten Tag vormittags hatte ich nochmal Gelegenheit dem japanischen Staudenkönterich auf die Pelle zu rücken. Diesmal hatten wir eine wahnsinnig grosse Fläche zu bearbeiten, die vom Radweg ausgehend, den Abhang hinunter und sich auch noch in der horizonalen Fläche ausgebreitet hatte. Wieder waren wir mit Wiedehopfhacken bewaffnet und arbeiteten wie Besessene bis zur Mittagspause.

Ich hatte das große Glück einen Feuersalamander zu sehen und fotografieren zu können.

Im Anschluss trafen wir am Parkplatz der B303 wieder auf die anderen Gruppen und konnten uns nach der Mittagspause entweder dem Team “Moorfreisetzung” oder dem Team “Wegeausbesserung” anschliessen.

Unser Badeziel diesmal war wieder der eiskalte Wurzbachweiher, den wir nun schon mit einer gewissen Routine in Beschlag nahmen.


Am letzten Arbeitstag machten wir zuerst noch einmal einen Abstecher zum Aussichtspunkt “Zainhammerhügel Zwei Täler Blick” um ein besonderes unschönes Waldbild am Hang gegenüber zu sehen.

Danach haben sich wieder verschiedene Gruppen gebildet, um die angefangenen Arbeit abzuschliessen. Ich war in der Weisse Main Müllbefreiungsgruppe und lief mit Vincent, der auch keine Gummistiefel hatte, am Ufer und am Radweg entlang und wir konnten ein Teil eines Sofas, neben dem anderen üblichen Krempel, bergen.

Üblicherweise ist der letzte Tag nur ein halber Arbeitstag. Danach erfolgt immer eine geführte Exkursion durch das Projektgebiet mit einem kundigen Vertreter (Servicestellenleiter Florian) des Auftraggebers (Bayerische Staatsforsten).

Florian hat uns in ca. drei Stunden sehr viel Interessantes aus dem Spannungsfeld von Waldbewirtschaftung, Erholung und Natur- und Artenschutz vermittelt, während unseres Querwaldeinspaziergangs.

Hier seien nur ein paar Stichpunkte genannt:

  • Markierungen an Bäumen (Z-Bäume, Baumgruppen, Rückegassen)
  • Befahrung von Rückegassen, Armierung von Rückegassen
  • Harvester, Prozessor, Forwarder und Einsatz von Rückepferden
  • Abtransport ins Sägewerk
  • blaue Verfärbung von gefälltem Holz (Bläue)
  • Unterschiedliche Holzqualitäten und die jeweilige Verwendung
  • Organisation, Beauftragung und Einsatzplanung von Fremdfirmen zur Waldbewirtschaftung
  • Jagd
  • Bayerische Kompensationsverordnung und Ökokonto
  • uvm.

Am Abend des letzten Tages mussten alle Werkzeuge gereinigt und geölt werden und dann lud Florian zum grossen Abschluss – Essen zu Wildburger aus der Region ein. Wir machten noch eine kleine Abschlussrunde und saßen dann bis in die Puppen am Lagerfeuer.



Fazit:

Es hat sich mega gelohnt, diese Woche mitzumachen auch wenn’s nach Arbeit klingt 😉

Ich konnte eine Woche lang total abschalten. Habe keine Nachrichten mitbekommen, kein Instagram Informations Flut, kein Youtube – Abo-Gebimmel, kein Radio Gedudel und hab das auch kein bisserl vermisst!

Stattdessen gabs Bewegung an frischer Luft, Einschlafen mit dem nie endenen Grillenkonzert, Hand-in-Hand arbeiten mit super netten, engagierten Menschen, traumhaftem Wetter und jeder Menge Sternschnuppen!

Jetzt geh ich gleich mal auf die Bergwaldprojektseite und suche das nächste Projekt 🙂


siehe auch den BlogPost der Bayerischen Staatsforsten: https://www.baysf.de/de/medienraum/pressemitteilungen/nachricht/detail/schmutzige-haende-fuer-wasseramsel-und-edelkrebs-forstbetrieb-fichtelberg-saeubert-mit-dem-bergwaldprojekt-den-weissen-main.html

Westweg – Bonus – Day

Schwarzwaldhochstrasse und Hahnenfalzhütte

Wer glaubt, am Parkplatz endete mein Schwarzwald Adventure, irrt 🙂

Nachdem ich mein Auto in Pforzheim aufgepickt hatte, fuhr ich erstmal auf der Autobahn nach Süden. An der Raststätte Baden-Baden richtete ich mir mein Nachtlager im Auto ein und schlief tief und fest, bis die ersten Sonnenstrahlen meine Nasenspitze kitzelten (mittlerweile wars schon ziemlich heiss in der Karre). Schnell an der Raststätte geduscht und off-we-go auf eine Panorama Autofahrt. Zuerst bei Bad Peterstal auf die B28, die sich nach Bad Griesbach in ein fantastisch schlängelndes, kurviges Motorradfahrerparadies verwandelt, um dann in der Nähe von Kniebis in die B500 zu münden.

Dort beginnt m.E. die Schwarzwaldhochstrasse, auf die ich es eigentlich abgesehen hatte. Ich folgte ihr Richtung Norden, hielt hier und da auf einem Parkplatz, um den Blick über die Schwarzwaldgipfel und -täler aus Autofahrersicht schweifen zu lassen. Teils konnte ich den Westweg sehen, auf dem ich wenige Tage zuvor nach Süden wanderte.

Das unangefochtene Hightlight dieser Motortour war der Mummelsee, an dem ich, einem Sechser im Lotto gleich, einen Parkplatz direkt vor dem Mummelseehotel fand (an einem sonnigen Sonntag nachmittag!)

Diesmal gönnte ich mir einen ausgedehnten Bummel durch den Cookucks Clock Souvenir Shop und schleppte einen ganzen Korb voll nützlicher und unnützer Dinge hinaus zu meinem Auto. Schön wars! Ich bin von einem Tag auf den Anderen vom verschwitzten, tagelang ungeduschten Hiker zum frisch geduschten und desodorierten Touristen geworden.

Das zweite Ziel des Tages erreichte ich gegen Nachmittag, nämlich den Parkplatz des Skiheim Talwiesen – Schänke. Von dort aus sind nur 2,4km bis zur Hahnenfalzhütte, wo ich unbedingt eine Nacht verbringen wollte.

Gesagt, getan!

Diese Bonus-Night auf dem Westweg stellte einen würdigen Abschluss meiner Westweg Wanderung im Juni 2021 dar.





****************** T H E ** E N D ****************

Westweg – Tag 9-12

Tag 9: Vom Doldenbühl zur Schutzhütte am Rufenholzplatz (Feldberg)

Die Nacht auf dem Doldenbühl war wirklich die Beste bisher. Ich hab so fest geschlafen, wie noch nie und konnte mich auch am Morgen kaum aus meinem Schlafsack schälen, weils soooo schön war.

Die Wanderung führte mich dann schnell zur Weißtannenhöhenhütte, die sich als Schutzhütte zwar für Übernachtung eignet, aber im Umfeld keine Möglichkeit für Zelt oder Ähnliches bietet.

Mein erstes Etappenziel des Tages war Titisee-Neustadt, was mancher schon als Vorhof zur Hölle bezeichnet hat und genauso isses. Ich fand es allerdings sehr amüsant, mir das touristische Treiben anzusehen.

Leider gibt’s dort keinen normalen Lebensmittelladen, in dem ich meine Vorräte hätte aufstocken können. Stattdessen belud ich meinen Magen mit einer riesigen, leckeren Pizza und startete durch in Richtung Feldberg. Am Ortsausgang gab es eine Art Freibad, aus dessen Kiosk ich Brezeln und Kekse mitnehmen konnte. Beim Campingplatz Chef des “Bühlhof Camping” konnte ich noch eine Gaskartusche mit Schraubverschluss von “Coleman” aufpicken.

Ca. 3 Kilometer vor der Schutzhütte am Rufenholzplatz gings los mit erneutem Donnergrollen und ich begann dummerweise zu rennen, um es noch vor dem Regen dorthin zu schaffen (mittlerweile gings wieder bergab). Natuerlich schaffte ich es nicht, sondern erreichte nach dem Hagelschauer erstmal eine private Holzhütte mit Unterstandsmöglichkeit. Dort hätte ich die Nacht auch verbringen können, denn es gab genug Deckung und sogar einen Brunnen.

Sobald sich eine Regenpause einstellte, lief ich jedoch weiter um die Schutzhütte zu erreichen. Was ich da noch nicht ahnte war, dass ich mir durch die Rennerei einen leichten Shin-Splint (Schienbeinkantensyndrom) eingehandelt hatte. Das stellte ich erst am nächsten Tag fest.

Die Rufenholzplatzhütte ist mega! Nagelneu, eine Art Blockhütte und riesengroß.

Nachdem ich in meine trockene Camp-Kleidung geschlüpft war und alles andere, inkl. meiner stinkenden Socken auf die Wäscheleine gehängt hatte, kam noch eine Dame auf dem Fahrrad in strömendem Regen vorbei und suchte ebenfalls Unterschlupf in der Hütte.
Diskret versuchte ich die Socken von der Leine verschwinden zu lassen, aber ich glaube, es war schon zu spät.

Eine Stunde und etliche Abenteuer Geschichten von Radtouren in Frankreich und Trekkingtouren mit 25kg Rucksack über die Hardangervidda später, verabschiedete sie sich und radelte weiter in leichtem Regen nach Titisee.

Ich blieb vermeintlich Alleine zurück und richtete mein Nachtlager ein. Vermeintlich deshalb, weil mindestens eine Maus das Häusschen mit mir teilte. Sie fras sich denn auch des Nachts in meinen Essenssack rein, den ich mal besser am Mittelbalken der Hütte aufgehängt hätte.


Tag 10: Rufenholzhütte nach Wiedener Eck

Der Tag startete wieder mal um 5 Uhr morgens und mit einigen Erkenntnissen:

a) die Uberlite Matte von Thermarest ist zwar super mega leicht, aber das Material fühlt sich irgendwie arg plastikmässig an. Da schlaf ich irgendwie lieber auf der grauen xTherm.

b) mir geht langsam echt der Kaffee aus. OHA!

c) auch in Deutschland gibts Mäuse in Hütten

d) niemals rennen auf einem Wander-Trail (es seid denn man ist als Trailrunner unterwegs 😉

So gegen 7 Uhr kamen die Forstarbeiter an, um mit den Maschinen, die vor der Hütte geparkt waren, in den Wald zur Arbeit zu ziehen. Auch für mich eine gute Zeit zum Aufbruch Richtigung Feldbergipfel.

Nach ca. 15 Minuten kam ich an einen super schönen Brunnen an einer Weggabelung, wo auch Sitzbänke und eine Feuerschale installiert waren. Das interpretierte ich als eine Einladung zu einer kleinen Katzenwaschsession. Zumal auch schon erste Sonnenstrahlen sich den Weg zur Erde bahnten.

Je weiter hoch ich jedoch kam, desto nebliger, feuchter und kälter wurde es, sodass ich meine Regenjacke anziehen und das Käppi aufsetzen musste. Oben auf dem Feldberg konnte ich so gut wie nichts sehen. Angeblich gibt es dort auch ein Westweg – Tor, davon hab ich aber nix mitbekommen. Stattdessen folgte ich dem Trail und hoffte in der nächsten Hütte, die um 10 Uhr öffnen sollte lt. Beschilderung, auf ein wärmendes Käffchen. Aber also ich dort Zehn nach Zehn ankam, war alles verrammelt und weder Mensch noch Maus zu sehen. Schade, auf zur nächsten Hütte. Dort angekommen stellte sich (natuerlich) heraus, das diese heute Ruhetag hat. Auf zur nächsten Hütte.

Und dann der Glücksgriff! Das Restaurant des Hotel Notschrei hatte einen schönen Platz für mich auf der Aussenterrasse und ich bestellte das einzig bezahlbare Gericht, nämlich: Käsespätzle!

Was soll ich sagen?! Wow! Das waren die besten Käsespätzle seit Jahren. Sie kamen mit dem richtigen Käse, den richtigen Zwiebeln und hatten die perfekte Konsistenz. Der Käse zog sich zentimeterweit vom Teller zu meiner Gabel. Ich konnte nur die Hälfte vor Ort verspeisen und hab mir die zweite Hälfte als Doggybag fürs Abendessen einpacken lassen. Ein Traum!

Während ich auf mein Essen wartete, hab ich kurzerhand ein Zimmer im Wiedener Eck gebucht und bin im Anschluss die paar 13 Kilometer dorthin gebummelt um mein Schienbein zu schonen.

Dort haben sie mir erstmal 10 Euro für so einen Nasen-Popel-Test abgeknöpft, aber dann eine Busverbindung herausgesucht, mit der ich noch schnell nach Schönau zum Kaffee kaufen düsen konnte. Die Sauna, die für mich angeheizt wurde, konnte ich leider aus zeitl. Gründen nicht mehr in Anspruch nehmen.

An diesem kurzen Wandertag haben mich noch weitere Erkenntnisse erreicht, nämlich:

  • Die Hütten im Nordschwarzwald sind eindeutig besser für Übernachtungen geeignet (mit Ausnahme der Rufenholzhütte natuerlich , denn die ist super)
  • Die Wegmarkierungen im Nordschwarzwald sind auch durchgängig besser. Hier im Süden hab ich öfter mal die Markierung vermisst und musste auf dem Handy nachsehen, wo es weiter geht.


Tag 11: Wiedener Eck zum Brünnli (Nähe Hexenplatzhütte)

Am morgen war’s vor meinem Hotelzimmerfenster sehr lange sehr nebelig und ich wollte nicht wieder im grauen Dunst auf einem Berggipfel stehen, deshalb lies ich mir extrem viel Zeit mit Frühstücken und Zusammenpacken und startete erst gegen 10:30 Uhr in Richtung Belchen.

Die Rechnung ging auf und als ich am Gipfel eintraf, hatte ich klare Rundumsicht vom Belchen, welcher der schönste Schwarzwaldgipfel sein soll.

Nach einem kurzen Stop am Gipfel und einem Weiteren am Snack Automat der Bergstation Belchen (Seilbahn) startete ich in Richtung des Blauen auf einem der Belchen Rundwege. Ich wage zu behaupten, dass der Belchen Rundweg und der “Entdeckungspfad Belchen” noch viel schönere Aussichten und eine viel schönere Atmosphäre haben, als der Belchen Gipfel.

Die 17 Kilometer vom Belchen zum Blauen zogen sich ganz schön in die Länge, zumal ich ja immer noch im Schnecken-Tempo unterwegs war.

An der Richtstatt – Schutzhütte hab ich noch ein kleines Päuschen gemacht und mit meiner neuen Gas Kartusche einen frischen Instant-Kaffee gekocht.

Und dann: Wow! Auf dem Blauen gibts einen mega Aussichtsturm, der vom Schwarzwaldverein unterhalten wird und der gleich neben dem Funkturm steht. Von dort oben hast du wirklich die beste Aussicht ever !

Ich hab mir auch eingebildet Basel schon sehen zu können. Am folgenden Tag jedoch stellte ich fest, dass ich Lörrach, Weil am Rhein und Basel gar nicht richtig ausseinanderhalten kann.

Mein Nachtlager schlug ich dann oberhalb des “Brünnli” Brunnens auf. Das war wieder mal nicht der geschickteste Ort, weil ich nicht sicher sein konnte, vom Brunnen aus ungesehen zu bleiben. Allerdings sollte mir am nächsten Tag ein amerikanischer Wanderkollege namens Brad (ohne Pitt) bestätigen, dass ich doch unsichtbar war. cool.)

Übrigens: Der Pfad zum Blauen rauf ist mir als einzige Stelle des Westwegs in Erinnerung, bei der einigermassen Trittsicherheit notwendig ist. Ansonsten kann der gesamte Westweg von Jedem begangen werden, der halbwegs Gehen kann.


Tag 12: Brünnli nach Badischer Bahnhof in Basel

Die letzte Tagesetappe war ein bisserl über 30KM und zog sich wieder wie Kaugummi, obwohl ich zu meiner gewohnten Wandergeschwindigkeit zurückkehren konnte.

Die Landschaft veränderte sich, ich verlies den mittlerweile liebgewonnenen Schwarzwald und trat ein, in eine von Weinanbau geprägte Landschaft. Das Ganze passierte wieder unter sengender Sonne und die Ortschaften Lörrach, Weil am Rhein und Basel gingen übergangslos ineinander über.

Highlights waren das Dorf Wollbach, das ich als das idylischste Örtchen der Region bezeichnen möchte und die Burgruine Rötteln, in dessen Burgbiergarten ich mir einen Eiskaffee gönnte und nochmal auf Brad und Eva traf.

Irgendwann gings dann auch mal über die Grenze und dann nochmal kilometerweit auf der Wiesendamm Promenade an der Wiese (Fluss) entlang bis ich schliesslich den Badischen Bahnhof erreichte. Dort gibts dann leider kein Tor mehr, sondern nur noch ein Schild. Der Bahnhofsshop mit kühlen Getränken und Eis entschädigt jedoch dafür 🙂

Ich hab dann den nächsten Zug nach Pforzheim geschnappt und bin dort gegen 22 Uhr am Parkplatz am Messplatz angekommen.

Westweg – Tag 5-8

Tag 5: Schutzhütte nach dem Seibelseckle zum Julius Brunnen

Nach dem Frühstück gings dann endlich rein in den Nationalpark Schwarzwald, vorbei am Lothar Denkmal (Orkan von 1999) und an Skiliften (wäre auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit gewesen, weil aus dem Nationalparksgebiet ausgenommen), der Piste entlang nach unten zur Ruhesteinschänke. Die Ruhesteinschänke ist ein beliebter Spot für Touristen, die auf der Schwarzwaldhochstrasse unterwegs sind.

Dort gabs ein Käffchen für mich als ersten Gast des Tages, weil ich so früh dran war.

Dannach gings gleich wieder bergauf über Schliffkopf, Schurkopf und Sandkopf zum Natur- und Sporthotel Zuflucht in Zuflucht.

Auf dem Schliffkopf traf ich auf eine recht skurrile Wandertruppe, die schon etwas älter waren. Eine Dame war mit Rollator unterwegs und eine weitere im Rollstuhl. So richtig verstanden habe ich nicht, wie sie auf diesen steinigen Weg geraten sind, aber konnte ihnen helfen die Pfähle eines Holzzaunes aus dem Boden zu reissen, damit der Rollstuhl durchfahren konnte.

In der Zuflucht gönnte ich mir ein lecker Mittagessen in Form von angeblich Allgäuer Käsespätzle. Angeblich, weil sie natuerlich meiner Vorstellung von Allgäuer Käsespätzle nicht im Mindesten entsprachen, eher erinnerten sie an das was man so in Berlin aufgetischt bekommt.

Generell ist es keine soooo gute Idee Mittags bei 30° eine ganze Portion zu verspeisen und dann zu glauben unbeschwert weiterwandern zu können. Natuerlich stand mir der Sinn mehr nach Mittagsschlaf, aber dafür war keine Zeit.

Die lustige Wanderung ging also weiter und weiter mit teils atemberaubenden Aussichten, z.B. an der Teufelskanzel. Beim Blick auf den Glaswaldsee von oben, hab ich mir vorgenommen nächstes Mal unbedingt dort baden zu gehen.

Mittlerweile hab ich mir auch angewöhnt, bei jeder Gelegenheit mein Merino – T-Shirt vollständig in kaltem Wasser zu tränken und das dann gleich wieder anzuziehen, um die notwendige Abkühlung zu schaffen.

Das führt dann unweigerlich dazu, dass ich nicht nur nach Schweiss, sondern gleichzeitig nach nassem Hund stinke. Oha! Egal …

Am Ende eines langen Wandertags kam ich dann am Julius Brunnen an. Das Gelände dort ist wieder sehr steil, also ungeeignet um zwischen dem Brunnen und der nächsten Hütte am Fuße des Bergs einen Camp-Platz zu finden (ein Stück zurück, weiter oben wär ein Forstweg gewesen, aber wer geht schon rückwärts?!)

Die Hütte war auch ein No-Go, denn sie lag direkt an der Strasse und hin und wieder tönte Party-Mucke herauf.

Wegen drohendem Regen zauberte ich schnell eine Art Dach über meine Schlafstätte, das irgendwann in der Nacht durch den Wind, der mir einen Hering rausriss und mir einen Trekkingstock an den Kopf warf, entzaubert wurde. Die ortsansässigen Kriebelmücken vermiesten mir die Einschlafphase und um 4:30 Uhr, als das Ameisenvolk sein Tagwerk begann, war auch für mich die Nacht zuende. Gerade rechtzeitig um die Zecke von meiner Hand zu entfernen, bevor sie sich festsetzen konnte. Zecke auf Steinen?! Das muss eine neue Art sein.


Tag 6: Julius Brunnen nach Hausach

Nachdem ich mir ein bisserl Wasser für die Reise am Brunnen gezapft hatte, lief ich gleich an den noch schlafenden Party People in ihren Camper Vans, den leeren Bierflaschen und noch zwei gefüllten Schlafsäcken vor der Hütte vorbei. Witzigerweise gibts dort an der Hütte auch noch ein Westweg Tor, das ich fotografisch noch schnell einsackte.
Mein Ziel war für diesen Tag ein lauschiges Zimmer mit Dusche in Hausach. Die Strecke war eher langweilig, eine Aneinanderreihung von Forststrassen, unterbrochen von Windradbaustellen. So hörte ich dann das ganze Hörbuch von Sophie Passmann.

An der Kreuzsattelhütte machte ich eine längere Pause mit Käffchen kochen und Powernap und versuchte das unangenehme quietschen meines Rucksacks, das sich heute besonders aufdringlich zeigt, zu beheben. Möglicherweise hab ich die Biene Maja genau an dieser Hütte sitzen lassen. Gut möglich ist auch, dass sie sich zwischen der Kreuzsattelhütte und der krassen Hohenlochenhütte aus der Seitentasche in den Wald verschwand. Denn dort vermisste ich sie erstmalig, dachte jedoch sie wäre ins Innere des Rucksacks geraten.

Die Hohenlochenhütte ist die Hütte mit super Aussicht und extra Schlafpod für bis zu 6 Personen. Ausserdem verfügt sie über eine luxuriöse Toilette und Sonntags gibt es angeblich Kuchen.

Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zur Schutzhütte auf dem Spitzberg, der mit einer super Aussicht auf die Ortschaften Wolfach und Hausach aufwarten kann. Im Anschluss gehts dann nur noch steil bergab nach Haussach.

Dort checkte ich im Löwen ein, natuerlich erst nach erfolgreichem Corona Selbsttest, und nach einem weiteren Powernap und einem kleinen Stadtrundgang und einem Radler fing auch schon das Gewitter mit Starkregen an. Wow! Da hatte ich mehr Glück als Verstand, denn damit hatte ich nicht gerechnet und unter dem Tarp wärs echt blöd geworden bei so’nem Wetter.


Tag 7: Haussach nach Wilhelmshöhe

Aus Hausach heraus geht es lange Zeit super steil bergauf, aber die meiste Zeit auf schönen Waldwegen.

Ungefähr eine Stunde nach Hausach kommt eine super schöne Hütte namens Haseneckle (kurz davor auch ein Brunnen), die man auf jeden Fall für eine Übernachtung in Betracht ziehen kann.

Auf jeeeeeden Fall noch besser für Übernachtung geeignet ist die Hasemann Hütte auf dem Farrenkopf. Sie ist riesig, geöffnet, hat 2 Stockwerke und möglicherweise sogar Strom (hab ich nicht ausprobiert). Eine Wasserquelle ist ebenfalls in der Nähe ein bisserl bergab zu finden.

Die darauffolgende Hütte, nämlich die Büchereckhütte ist auf jeden Fall zu meiden. Sie liegt dicht an der Strasse, ist Kameraüberwacht und der Brunnen, auf den ich mich verlassen hatte, war trocken!

Erst im weiteren Verlauf meiner Wanderung durch den Windpark, kam ich überraschenderweise zum Windkraft-Bänkle und dem zugehörigen Brunnen.

Nach einer ausführlichen Brotzeit mit Pumpernickel und Frischkäse gings dann weiter bergauf zum absoluten Highlight des Tages: dem Karlstein.

Einen Steinwurf entfernt liegt gleich das Hotel/Restaurant “Schöne Aussicht”, wo ich zum wiederholten Mal auf auffällig schroffe Mitarbeiter*innen traf. Vermutlich macht das Leben im dunklen Schwarzwald die Menschen einfach hart und kautzig.

Jetzt wurd es spannend. Ich war fest entschlossen, die anstehende Nacht wieder im Freien zu verbringen, selbst noch als ca. 3 KM vor der Wilhelmshöhe Donnergrollen einsetzte.

Auf dem letzten Kilometer, als der Himmel sich zunehmend verfinsterte und das Grollen näher zu kommen schien, war klar, dass ich mir doch wieder ein Zimmer nehmen würde. Also wieder Corona Schnelltest, duschen, Radler trinken und Gulaschsuppe essen und dann ab ins Bett.


Tag 8: Wilhelmshöhe auf den Doldenbühl

Der Tag begann mit einem leckeren Frühstück in der Wilhelmshöhe und dann einem halben Tag wandern im Regen. Dabei ist mir aufgefallen, dass meine kurze Hose, so nass sie auch sein mag, in den kurzen Regenpausen sofort und blitzschnell wieder getrocknet ist. Bin begeistert!

Erst ging es über Brend, einem Berg mit Aussichtsturm, von wo aus man, bei schönem Wetter, wohl die Vogesen sehen kann. Ich sah nix, ausser, dass das dortige Hotel/Restaurant Ruhetag hatte und für mich keine Möglichkeit bestand mich aufzuwärmen.

Also ging ich flugs weiter bis zum nächsten Wirtshaus/Pension, dem Goldenen Raben. Dort traf ich kurz auf zwei weitere Westwegwanderer, nämlich Eva und Brad, die dort schon ihr Tagesziel erreicht hatten (es war gerade mal Mittag).

Nach einem lecker Erdbeerkuchen mit Kännchen Kaffee machte ich mich auf den Weg zur “Kalten Herberge”.

Im unterkunftsbasierten Westwegetappenplan stellt die kalte Herberge die nächste Übernachtung dar. Wow! Davon würd ich unbedingt abraten, denn es liegt direkt an der viel befahrenen Strasse und es ist ultra-laut.

Vor der Herberge hab ich Beate getroffen, auch eine Westwegwanderin. Sie war allerdings mit einem Rucksack unterwegs, der so schwer war, dass sie ihn nicht am Boden abstellen konnte, weil sie ihn nicht mehr anheben konnte. Wir sind dann zusammen zur nächsten Wasserquelle gelaufen, dann musste ich weiterziehen, denn sie suchte eine Platz zum Zelten und ich hatte noch 8KM auf dem Plan.

Diesmal wollt ich wirklich wieder mal draussen schlafen, nach zwei Nächten hintereinander in geschlossenen Räumen und steuerte den Doldenbühl an.

Das war einfach ein schöner Wirtschaftswald auf einem Hügel. Perfekt für einen Overnighter. Mein Abendessen genoss ich dann auf einem Bänkchen, in der Sonne sitzend, in Gegenwart von ebenfalls mampfenden Kühen.

Westweg – Tag 1-4

Mitte Juni 2021 hab ich mich auf den Weg gemacht, den Westweg im Schwarzwald zu wandern.

Der Westweg ist ein Fernwanderweg durch den Schwarzwald, der von Pforzheim nach Basel führt und durchgängig mit der roten Raute gekennzeichnet ist.

Ab Titisee-Neustadt hat man die Wahl der West- oder Ostroute. Ich habe mich für die Westroute entschieden, da nur diese über den Feldberg führt.

Über die Länge streiten sich die Gelehrten. In Youtube ist gerne mal die Rede von 330KM, aber Wikipedia und der Track, dem ich folgte zeigt gerade mal 290KM. Was nun stimmt weiss ich nicht, denn ich habe es selber nicht mitgetrackt. Vermutlich haben die Youtuber die Wege zur Unterkunft und abends ins Wirtshaus noch mitgezählt.

Übliche Etappenvorschläge gehen von 12 Tagesetappen aus und orientieren sich dabei an Übernachtungsmöglichkeiten in Pensionen/Hotels.

Obwohl mir Hotels/Pensionen relativ egal sein konnten, da ich ausgerüstet mit Tarp, Schlaf- und Kochset unterwegs war und vorhatte lediglich einmal über Nacht einzukehren, kam auch ich auf genau 12 Wandertage.

Mein Auto stellte ich in Pforzheim auf einem Großparkplatz, dem Messplatz an der Habermehlstrasse ab. Coronabedingt war nicht damit zu rechnen, dass der Platz, wegen einer Großveranstaltung, geräumt werden würde.

Womit ich nicht rechnete war, dass die Linde, ein sehr vermehrungsfreudiger Baum, unter der mein Auto zwei Wochen lang stand, mehrere Kilogramm Samen auf dasselbe werfen würde. Als ich zurückkam musste ich fast weinen, während ich das Fahrzeug freischaufelte.

Vom Parkplatz aus sind es ca. 2,5 KM zum Startpunkt des Westwegs und dem ersten Tor in Kupferhammer.

Zusätzlich zu den Markierungen des Wegs hatte ich noch eine leporelloartige Wanderkarte von KOMPASS namens “Westweg Schwarzwald” dabei.

Auf meinem Handy hatte ich noch die App “OsmAnd+”, den Track des Weges und das Schutzhütten- und Brunnenverzeichnis von Soulboy vom Kanal Soultrails. Damit und mit den OpenstreetMap POIs, z.B. Wasserbrunnen, Quellen, Unterstand, konnte ich jeweils meinen Tag ein wenig vorausplanen.



Tag 1: Von Pforzheim nach in-der-Nähe-von Dennach

Der erste Tag startete also offiziell an der “Goldenen Pforte Pforzheim” in Kupferhammer. Dieser Ort ist leider alles andere als ruhig und beschaulich. Er liegt direkt an einer Haupteinfallsstrasse nach Pforzheim und der Verkehrslärm ist enervierend.

Der Weg führt von da aus direkt in den Wald und erstmal geschmeidig ein bisserl bergauf, später entlang des Flüsschens Enz, am Arboretum Büchenbronn und später an der Schlossruine Neuenbürg vorbei.

Dann kommt die Schwanner Warte. Das ist ein lustiges Aussichtstürmchen des Schwarzwaldvereins, der ausserdem über eine Lesesitzecke mit Bücherschrank verfügt.

Der Tag war super super heiss (> 30°) und ich bin, wie immer mit zuviel Wasser und Essen losgelaufen. Das Wasser schüttete ich unterwegs weg, was am späten Nachmittag tatsächlich zu einem kleinen Engpass führte. In einem italienischen Restaurant hat mir der Chef dann zum Glück nochmal zwei Liter gezapft.

Direkt im Anschluss musste ich feststellen, dass sich meine Sonnencremetube im Front-Mesh des Rucksacks vollständig entleert hatte.

Was ne Sauerei, die ich mithilfe natürlicher Resourcen in Form von grösserem Blattwerk versuchte sauber zu machen.

Auch so ein Ding, das man am ersten Tag eigentlich nicht braucht, aber am nächsten Tag hatte ich den Vorfall schon fast wieder vergessen. War also nicht soooo schlimm.

Ein wenig später traf ich auf ein Schild, dass die Änderung der Wegführung des Westwegs an dieser Stelle ankündigte (über eine ehemalige Burg Strubenhart). Ich konnte allerdings nicht erkennen wo genau der neue Weg entlang führen sollte und ob es dort auch Wasser und Übernachtungsmöglichkeit für mich gibt. Deshalb folgte ich weiterhin meinem gespeicherten Track.

Als Übernachtungsplatz hatte ich mir ein Wäldchen in der Nähe von Dennach ausgesucht, in dem sich auch lt. OsmAnd eine Quelle befindet.

Gesagt, getan: Wasser gezapft und in Cowboy-Camping Manier in den Wald gelegt.

Am nächsten morgen konnte ich zuerst ein Eichhörnchen in direkter Umgebung meiner Schlafstätte beobachten und später, während ich noch Kaffee trank, kam ein Fuchs schnurstraks bis auf 2 Meter an meinen Platz ran, bevor er mich bemerkte und die Richtung leicht abänderte und vorbei lief.



Tag 2: in-der-Nähe-von Dennach zur Kreuzlehütte

Der zweite Wandertag begann sehr unspekatulär. Die Strecke bestand zum größten Teil aus gekiestem Forstautobahnen als Wanderweg.

Ich erreichte Dobel am späten Vormittag und kehrte gleich in der ersten Bäckerei zu Käffchen und Brötchen ein. Wie immer, auf der Suche nach Wasser, bahnte ich mir einen direkten Weg zum örtlichen Friedhof, der oben auf dem Berg am Ortsausgang gelegen war.

Dort konnte ich im kühlen Toilettenraum gleich mal ungestört meine Flaschen auffüllen und das T-Shirt gleich mal durchspülen.

Dann fiel mir auf, dass ohne Sonnencreme kein weiterkommen war. Also forschte ich in OsmAnd nach einer Einkaufsmöglichkeit im Ort und fand einen Netto Markt, der allerdings einen Kilometer bergab am anderen Ende des Ortes war.

Auf dem Weg dorthin fand ich auch zufällig das “Sonnentor Dobel”, welches zur Westweg Infrastruktur gehört.

Nach Dobel gings in sengender Hitze weiter über Lerchenkopf, Rosskopf und Schweizerkopf bis zur Hahnenfalzhütte, die ich gegen 16 Uhr erreichte. Es ist eine traumhafte Hütte, in traumhafter Location mit viel ebener Wiese, vielen Sitzgelegenheiten und sogar hervorragendem Wetterschutz.

Dort machte ich eine längere Pause, mit Käffchen kochen, Paraglider beobachten und Tarp trocknen und brach gegen 18 Uhr auf, um noch ein paar Kilometer under-my-belly zu bekommen.
Wow! Grosser Fehler! Ich hätte einfach dort bleiben und die Nacht dort in himmlischer Atmosphäre verbringen sollen.

Ein paar Kilometer weiter traf ich dann auf die Kreuzleshütte, eine riesige Hütte (natuerlich geschlossen, so wie fast alle Hütten), in deren Nähe ich die Nacht verbringen wollte.
Nach einem typischen Abendessen mit Rahmennudeln suchte ich einen Platz unter einer riesigen Tanne am Rande der grossen Wiese vor der Hütte und versuchte wieder in Cowboy-Camping Style einzuschlafen.

No way! Scheinbar war es dort recht windstill und Heerscharen von Kriebelmücken aka Gnats fielen über mich her und an Schlaf war nicht zu denken. Nach einer Stunde Verzweiflung rollte ich mein Schlafsetup in der Bodenplane zusammen und lief zurück zur Hütte. Dort auf einer Bank, wo ein ständiger, starker Wind ging, fand ich schliesslich Ruhe und schlief ein.

Bis 4:30 Uhr! Denn da geht die Sonne auf und alles Leben erwacht. So auch ich. Um 5 Uhr bin ich dann auch tatsächlich aufgestanden.


Tag 3: Kreuzleshütte nach Bänkchen am Zweiseenblick

Am nächsten Morgen kam ich zuerst durch Kaltenbronn, wo noch alles in tiefem Schlummer lag und die Chance auf lecker Käffchen gleich Null war.

Danach wurde es interessant, denn es ging durch das Hochmoor am Holohsee (Naturschutzgebiet) und auf den Kaiser Wilhelm Turm hoch.

Dann wurde auch die Wanderstrecke schöner. Die Forstautobahn wurde durch schöne Wurzelwege abgelöst.

Der Weg führte durch das Murgtal Tor nach Forbach und gleich wieder zu Netto. Selbstredend kaufte ich natuerlich wie immer Kaffee, Eis und Joghurt und ein bisserl Proviant für die nächsten Tage (natuerlich zuuuuuuuviel).

Hier sind mir auch zu ersten Mal die Streckenmarkierungen (Aufkleber) von Soulboy aufgefallen, mit denen er seinen selbst erfundenen Nord-Süd-Trail markiert hat.

Der Weg führte dann wieder an sehr schönen Schutzhütten vorbei, allen voran die Wegscheidhütte, die über zwei Etagen verfügt und für Übernachtungen ausgelegt ist.

Das Highlight des Tages war jedoch die Schwarzenbachtalsperre, ein wunderschöner See mit kleiner Badestelle, in den ich ohne anzuhalten mitsamt Klamotten gleich mal eingetaucht bin. Erst hinterher machte ich mir Gedanken, wie die Klamotten wieder trocken sollten. Dank meiner mitgebrachten Wäscheleine aber kein Problem!

Danach ging die lustige Wanderung weiter auf den Seekopf, eine Art Plateau, auf dem ich eigentlich übernachten wollte. Allerdings fand ich dort oben keinen guten Platz und ging wieder ein Stückchen rückwärts, zurück zu einer Bank am sogenannten “Zweiseenblick” und machte es mir dort gemütlich für die Nacht.

Hier bekam ich es wieder massiv mit Moskitos zu tun, sodass ich mir mein Zelt oder wenigstens den Biwaksack herbei wünschte.


Tag 4: Bänkchen am Zweiseenblick nach Schutzhütte nach dem Seibelseckle

What a day!

4:40 Uhr wake up! Ohrenstöpsel rein, nochmal umgedreht und weitergeschlafen (den Sonnenaufgang total verschlafen) .

So gegen 8 Uhr gings dann weiter, nochmal auf den Seekopf rauf und rüber zur Badener Höhe (Naturschutzgebiet) und auf den Friedrichsturm.

Das Plateau, zwischen Seekopf und Badener Höhe, ist wirklich faszinierend schön und abwechslungsreich. Dort oben hat Orkan Lothar am 26.12.1999 alles zerstört, sodass die gesamte Vegetation noch klein ist. Es werden vorsichtige Massnahmen ergriffen, um einen möglichst natuerlichen Mischwald entstehen zu lassen. Wo die Fichte versucht sich anzusiedeln wird sie konsequent entnommen.

Ab jetzt gibt es auf dem Weg mehr und mehr bewirtschaftete Hütten, die zum Mittagessen oder Kaffee und Kuchen einladen.

Der Weg führt weiter über Riesenkopf, Hochkopf und Murrkopf zur mega berühmten Hornisgrinde, dem höchsten Berg des Nordschwarzwaldes. Dort gibt es einen Windpark und einen Aussichtsturm, ein Restaurant und einen wunderschönen Blick auf den nahegelegenen Mummelsee.

Weiter gings runter zum Mummelsee, einem wahren Touristen Hotspot. Hier bekomme ich meine ersten Kuckucksuhren zu sehen und jeder Menge schwarzwäldlerischem Nippes. Das war so eine Art Kulturschock für mich.

Hier konnte der Tag jedoch noch nicht enden und führte deshalb durch das Mummelsee Tor hinunter zur Seibelseck Hütte, wo ich mir Wasser für die Nacht zapfte und ein Stück Schwarzwälder-Kirsch, ganz im Sinne der Kulturerfahrung, gönnte.

Danach hätte alles ganz entspannt laufen können. Ich lief noch ca. 3 KM bis zur letzten Hütte vor dem Nationalpark – Eingang. Natuerlich wusste ich, dass die Hütte einen direkten Zugang zur Strasse (B500 / Schwarzwaldhochstrasse) hatte und damit nicht zur ersten Wahl gehörte, aber so richtig die Wahl hatte ich nicht.

Denn was ich bisher nicht erwähnt habe ist, dass es wahnsinnig schwierig ist einen ebenen Platz für eine Übernachtung im Wald zu finden, weil alles, ausser den Wegen, steil bergauf oder bergab geht.
D.h. nur auf Wegen und vor Hütten kann man übernachten. Das hatte ich mir vorher auch anders vorgestellt.

Also sass ich da vor der Hütte ab 18 Uhr bis ca. dreiviertel Zehn und wollte gerade mein Lager einrichten, als so ein seltsamer Typ in Lederschühchen von der Strasse her hochgelaufen kommt und sich, nachdem er meiner Ansichtig wurde (sch… Sprache) irgendwie seltsam verhielt. Auf jeden Fall machte er keine Anstalten zu verschwinden, sodass ich meine Sieben Sachen packte und verschwand. Hinauf auf den Berg. In eine Zone, in der ich nicht hätte sein sollen. Dort baute ich im dunkeln mein Tarp auf, denn Regen und Gewitter hatten sich angekündigt. Zwei Typen liefen dann noch, wohin auch immer, direkt an meinem Lagerplatz vorbei, bevor ich schliesslich einschlief.

Am nächsten Morgen war ich 30 mins. nach Aufwachen von dort verschwunden und frühstückte wieder unten an der Hütte.


MOdul 1: Orientierung

Bereits im Dezember 2018 hab ich mich für eine Outdoor Guide Ausbildung angemeldet und Mitte Mai 2019 wars dann endlich soweit und das erste Modul konnte beginnen. Die Gesamte Ausbildung umfasst 6 Events, die Alle an verlängerten Wochenenden über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren verteilt stattfinden. Am Ende steht eine 2 tägige praktische Prüfung irgendwo im Nirgendwo (voraussichtlich auf/in/unter der Mecklenburgischen Seenplatte).

Für mich geht’s darum einen breiten theoretischen Unterbau gepaart mit praktischer Erfahrung in den Bereichen Navigation, Tourplanung, Klettern, Abseilen, Gewässerkunde, Kajak-, Kanupaddeln, Nahrung in der Natur finden und verwerten, erste Hilfe Outdoors, Rettungs- und Bergungsmethoden, Survival zu erwerben um später solide Skills in den Bereichen zu entwickeln, die mir am meisten Spass machen…

Das erste Modul zum Thema “Orientierung und Navigation” liegt nun hinter uns und wir hatten Gelegenheit uns mit folgenden Themen zu beschäftigen:

  • Orientierung mit Karte und Kompass
  • Standortbestimmung
  • Entfernungsbestimmung
  • Schätzen und Messen im Gelände
  • Orientierung mithilfe von Sonne, Schatten und Sternen
  • Orientierung mit GPS Devices
  • Gradnetze und Gittersysteme
  • Tourplanung

Wetterkunde hätte noch auf dem Programm gestanden, aber da wir eine sehr grosse Gruppe waren, hat sich alles ein wenig länger hingezogen als geplant und das gesamte Thema wurde auf ein späteres Event verschoben (mal sehen).

Am meisten Spass machte mir die praktische Übung mit dem Kompass. Es galt 4 Punkte im Gelände abzulaufen, die auf einer Karte markiert waren. Dabei war ich alleine unterwegs und bin nur hin und wieder auf andere Teilnehmer gestossen, die jeweils ihre eigenen Routen abzulaufen hatten.

Ich dachte wir hätten den ganzen Nachmittag dafür Zeit und bin entsprechend entspannt bei strahlendem Sonnenschein durch die Wiesen, Felder und Wälder gewandert und hab immer wieder mit dem Kompass vorwärts und rückwärts gepeilt und meinen Standort mittels Kreuzpeilung auf der Karte verifiziert.

Ein kleines Fotoshooting mit Biene Maja in ihrem natürlichen Habitat habe ich auch noch eingeschoben.

Allerdings hatte ich mich geirrt und es gab einen gewünschten spätesten Rückkehrzeitpunkt, sodass ich das letzte Ziel auf meiner Karte auslassen und direkt zum Camp zurück eilen musste.

Die zweite große praktische Übung, die wir in 6er Teams erledigten, war die Planung einer 2 tägigen Wandertour in den Alpen. Dabei haben wir innerhalb kürzester Zeit ein Konzept incl. Streckenverlauf, Alternativen, Wetterbedingungen, Sicherheit, Kosten, Ausrüstung und Versicherung ausgearbeitet und präsentiert. Das hat super viel Spaß gemacht und wir haben jede Menge gelernt.

Am Ende haben wir noch über die Projektarbeit gesprochen, die jeder Teilnehmer abliefern muss. Dazu muss eine mind. 2 tägige Selbstversorger Tour mit mind. 3 Teilnehmern geplant und durchgeführt werden. Die Dokumentation der Planung und Durchführung ist dann Teil der Abschlussprüfung.

Freiwillige mögen sich gerne gleich melden!! *hehe*

… ein kleines Video vom Orientierungswochenende…

[post_views post_types=”post,page,gmedia_gallery” icon_or_phrase=”Views:”]

Lawinenräumen im inneren ValserTal

Dem Hilferuf der “Schule der Alm im Valsertal” im Februar 2019 folgend, haben Norbert und ich keine Sekunde gezögert und uns zum freiwilligen Lawinen – Räumen auf der Flittneralm gemeldet.

Eigentlich wollten wir 3 Tage lang Anfang Mai mithelfen die Alm aufzuräumen, aber der überraschende Wintereinbruch hat dafür gesorgt, dass wir einen Tag später, nämlich erst am Montag anreisten und am Dienstag morgen die Arbeit aufnahmen.

Wir hatten das Vergnügen bereits am Montag zum Abendessen in der Jausenstation Touristenrast einkehren zu können, obwohl diese offiziell noch geschlossen ist. Für die Arbeiter auf der Alm hat Marissa, die Wirtin, trotzdem dreimal täglich eine leckere Mahlzeit auf den Tisch gezaubert.

Die erste Nacht, die Norbert und ich zusammen mit Werner Kräutler, dem Obmann der Schule der Alm und Blogger auf ‘Tirol isch toll’, in einer Sommer Berg Hütte verbrachten, war extrem kalt. Mit Aussentemperaturen von -7 bis -10 Grad Celsius hatte keiner gerechnet. So hatte ich nur meinen Sommerschlafsack dabei. Glücklicherweise gabs einen riesigen Kachelofen, der die ganze Nacht ein wenig Glutwärme denjenigen spendete, die bereit waren auf einer super schmalen Holzbank im Wohnzimmer zu nächtigen (also nur ich).

Ab Dienstag morgen gings dann an die Arbeit. Es fanden sich noch zwei weitere urbane Helfer ein, nämlich Susanne und Georg, die beide nicht nur durch hervorragendes Hochdeutsch glänzten, sondern wie erfahrene Bergbauern anpackten.

Und natuerlich die Bergbauern selber, die diese Almen in einer Bergbauerngemeinschaft bewirtschaften, kamen hinzu. Sie brachten denn auch jede Menge Werkzeuge und ein paar berggängige Maschinen mit.

Die Koordination war Gelegentlich von kommunikativen Missverständnissen geprägt, vor Allem wenn tirolerische Bergbauern Fachtermini auf rheinländisches Sprachverständnis stiessen. Dem Spass an der Arbeit und den Arbeitsergebnissen, tat das jedoch keinen Abbruch.

So sind wir also vormittags und nachtmittags für jeweils 3 Stunden, in fußläufiger Entfernung von der Jausenstation (*puh*) am Berg herumgekraxelt und haben mit Rechen, Mistgabeln und Kraxen, Steine und Holz herausgenommen und zu handlichen Haufen geschichtet, auf den Berglaster zum Abtransport geladen oder dem Bagger zum Fraß vorgeworfen.

Besonderes Vergnügen machte dann am Mittwoch das herausreißen von kleinen Baby Bäumchen in recht steiler Hanglage.

Die Natur versucht die Alm wieder zurück zu erobern und in Wald zu verwandeln. Aber eine Alm ist nunmal eine Kulturlandschaft und keine Naturlandschaft.

Das Wetter war uns wohl gesonnen und wir konnten am Dienstag strahlenden Sonnenschein geniessen und der Schnee zog sich deutlich in die höheren Lagen zurück.

2 Tage Aufräumen auf der Flittneralm


[post_views post_types=”post,page,gmedia_gallery” icon_or_phrase=”Views:”]

Schokofahrt Ostern 2019 – Amsterdam nach Nürnberg

Schokofahrt-Logo

825KM von Amsterdam nach Nürnberg, 4 Fahrer, davon 2 mit Lastenrädern, 8 Tage Fahrzeit um ca. 44 KG Schokolade emissionslos von Amsterdam nach Nürnberg zu transportieren.

Worum geht’s?

M. E. geht es darum das Bewusstsein für die Notwendigkeit von fairem und möglichst emissionfreiem Transport von Konsumgütern zu schärfen.

Die Schokofahrt wurde vor ca. 2 Jahren von einer Truppe radfahrender Umweltfreunde aus Münster gestartet und hat sich mittlerweile über ganz Deutschland und auch Teile Österreichs ausgeweitet (Details dazu findet ihr auf der offiziellen Schokofahrt Seite hier: https://schokofahrt.de

Da ich ja mittlerweile im Nürnberger Land wohne, bin ich mit der Nürnberger Gruppe mitgefahren.

Organisiert wurde die Nürnberger Tour von Valentina, die noch Heinz, Thomas und mich als Mitfahrer rekrutieren konnte.

Die Tour im Einzelnen

Tag 1:  Amsterdam nach s-Hertogenbosch (106 KM)

Die Nacht hatten wir auf einem Zeltplatz in der Nähe der  Chocolatemakers Manufaktur verbracht und sind gegen 10 Uhr am Treffpunkt angekommen. Ungefähr 140 in bunte, enge Fahrradklamotten gekleidete Leutchen hatten sich dort versammelt und lauschten der bewegenden Rede des Chocolatemaker – Chefs, der Ortsteil Bürgermeisterin und einem der drei Tres-Hombres Initiatoren.

Dann begann die Ausgabe der Päckchen, die die jeweiligen Teams transportieren sollten. Obwohl wir gleich an zweiter Stelle bei der Ausgabe aufgerufen wurden, gestaltete sich die Ladungsfindung störrischer und langwieriger als geplant, sodass wir erst um 13 Uhr losfahren konnten.

Die Fahrt bei strahlendem Sonnenschein zuerst durch Amsterdam dann weiter über Land war spannend bis entspannt. Heinz hatte sich eine interessante Konstruktion für den Transport seines Wanderrucksacks ausgedacht, die auch etliche Kilometer durchhielt. Irgendwann musste er jedoch Abschied nehmen, da sich eines der beiden Rädchen zu oft zu verselbstständigen suchte.

Bei einsetzender Dunkelheit erreichen wir die Stadt s-Hertogenbosch, gehen schnell noch was Essen bevor wir unsere Unterkunft, in einem interessanten Altbau in einer ruhigen Wohnstrasse aufsuchen.

Tag 2:  s-Hertogenbosch nach Melick / Roerrmond (102 KM)

Noch einen ganzen Tag hatten wir Gelegenheit die hervorragende holländische Radinfrastruktur zu genießen.

In krassem Kontrast zu unserer bisherigen Landschaftserfahrung seit Amsterdam durchquerten wir einen Nationalpark (der, dessen Namen ich natuerlich nicht erinnere), der eine einzige, sandige Steppe darstellte. Ich wähnte mich in der Wüste zumal wahnsinnig viele Kamele auf Fahrrädern (Tagesausflügler) auf einem super schmalen Pfad unterwegs waren.

Die Nacht verbrachten wir bei etwas betuchteren Leuten in einem mehrflügeligen Riesenbungalow.

Tag 3: Melick / Roerrmond nach Köln 94 KM

Vorbei an riesigen Spargelfeldern, auf denen fleissig gearbeitet wurde, überqueren wir am dritten Tag die Grenze nach Deutschland

Mittlerweile sind wir Profis und nutzen den Windschatten des Vordermanns um mit möglichst geringem Kraftaufwand als geschlossene Gruppe dem Gegenwind die Stirn zu bieten.

In Köln angekommen unternehmen wir noch einen kleinen Ausflug in das lokale Gastgewerbe und erfrischen die trockenen Kehlen mit mehreren (weil winzig kleinen) Kölsch bevor wir unsere Warmshowers Gastgeberin in ihrer Kölner Villa aufsuchen.

Den Abstecher zum Kiosk um noch ein paar Kölsch als Gastgeschenk mitzunehmen hätten wir uns sparen können, denn Anja trink generell kein Bier und mich hat das ganze Gesöff eher um den Schlaf gebracht, als geholfen.

Tag 4: Köln nach Koblenz (102 KM)

Endlich kommen wir an den Rhein. Die Aufregung bei einigen Mitfahrern kennt keine Grenzen und sie führen ekstatische Freudentänze am Rheinufer auf (zugegeben: leichte Übertreibung)

Zufällig picken wir einen temporären Mitfahrer auf, nämlich einen Iren namens Peter, der ebenfalls auf einer krassen Mission unterwegs ist. Er versucht komplett “sans plastique” also komplett plastikfrei durch Europa zu reisen. Sehr interessant und sehr schwierig, meinte er, vor allem wegen der Feiertage, an denen er keine Lebensmittel kaufen konnte, da es keinen Wochenmarkt gab und alle Unverpackt – Läden geschlossen waren.

Leider hat Peter uns verlassen, als wir in Bonn im Biergarten unsere Mittagspause machten.
In Andernach haben wir dann noch ein mal ein Päuschen gemacht und wir haben uns mehrere Male bei der Eisverkäuferin angestellt.

Bevor wir unsere Unterkunft erreichen, also nach ca. 96 KM Tagesstrecke erreichen wir nach einer Autobahnbrücke eine als Radweg offiziell ausgeschilderte 150 Meter lange Treppe ohne irgendeine Möglichkeit ein Fahrrad oder Kinderwagen oder Dreirad hinunter zu bekommen. Zum ersten Mal müssen wir die Lastenräder abladen und Ladung und Rad einzeln runter tragen. WTF?!!!!

Unsere Unterkunft dagegen ist ein beschaulicher, im wahrsten Sinne des Wortes ein geradezu besinnlicher Ort, nämlich das Haus St. Josef in Koblenz Vallendar “… unser Haus hat einen Andachtsraum, der sich für Stille, Meditation und Gebet anbietet. ” Genau über diesem durfte ich dann nächtigen 🙂

Tag 5: Koblenz nach Mainz oder Wiesbaden ins Party House! (107 KM)

Diesen Tag müssen wir zu dritt bestreiten, weil Heinz einen Abstecher nach Hause machen musste um dort ein paar Dinge zu erledigen. Seine Schokoladen Ladung wurde daher an diesem Tag von den beiden Lastenradlern Valentina und Thomas übernommen.

Die Fahrt am Rhein entlang war wahnsinnig idyllisch. Es gibt x-tausend kleine Burgen rechts und links und alles ist super putzig! Auch die Radwege sind zu Highways ausgebaut und es macht sehr viel Spass hier entlang zu heizen.

Als wir Mainz erreichen und idealerweise direkt in Sichtweite eines Bioladens, erreicht uns die angekündigte Sturmfront. Hastig stellen wir unsere Fahrräder ab und stürzen in den Laden. Valentina und Thomas nehmen sich seeeeeehr viel Zeit bei der Auswahl ihres Abendessens. Ungefähr eine Stunde später können wir die letzten 4 KM zum Partyhouse (IMHO Gruselhaus) antreten. In letzter Sekunde stellen wir unsere Räder in der, von einer Goldwing und allerlei Müll bewohnten Garage ab, schliessen die Haustüre des total abgerockten, Einfamilien, Reihenmittelhauses als die Hölle in Gewitterform losbricht. Schwein gehabt, meine lieben Freunde des gepflegten Bioeinkaufs.

Die Versuche unseres Gastgebers mit uns zu saufen und Party zu machen laufen allesamt ins Leere und wir bleiben bei Leitungswasser und Tee. Party over!

Tag 6: Mainz oder Wiesbaden nach Klingenberg (106 KM)

Hurraa, wir sind wieder zu viert. Heinz ist spät am Abend noch im Reihenhaus angekommen.  Wir fahren nun den Main entlang. Erst mal schön bei Opel in Rüsselheim vorbei und später rein nach Aschaffenburg. Dort kommt es während wir Ausschau nach einer Mittagspausen Gelegenheit halten zu unserem ersten technischen Defekt. Valentinas Vorderrad ist plötzlich platt und der Schlauch muss gewechselt werden. Im Anschluss gibt’s ‘ne ordentliche Rast in unserem ersten fränkischen Wirtshaus!

Danach gehts weiter nach Klingenberg, wo in der Tankstelle der Schlüssel zum Wanderheim am Aussichtsturm abgeholt werden muss. Und nach weiteren schlappen 210 Höhenmetern auf einem Kiesweg durch den Wald haben wir den Turm auf dem Klingenberg gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreicht. Wie schön :))

Den Abend lassen wir mal ganz gechillt ausklingen!

Tag 7: Klingenberg nach Würzburg (93 KM)

Der Wetterfrosch hat sich offenbar der Land- und Forstwirte erbarmt und lässt heute ganztägig mehr oder weniger starken Regen auf die vier Radfahrer (unter Anderem) prasseln.  Leider sind auch zeitgleich die Temperaturen stark gesunken, sodass die Fahrt bis zur Mittagspause ziemlich unangenehm ist. Erst in Wertheim, wo wir in einem italienischen Restaurant Mittagspause machen, gelingt es mir wieder einigermassen warm zu werden und wir konnten unsere Klamotten an einem indoors aufgestellten Heizpilz (Teufelszeug!) trocknen. Danach gings natuerlich wieder raus in den Regen. Auf einer bergab Schotterpiste durch den Wald kam eines der Lastenräder vom Weg ab und stürzte. Alles in Allem gings jedoch glimpflich ab. In Würzburg angekommen hörte der Regen plötzlich auf, war ja klar! Und wir machten es uns bei unseren Gastgebern, die selber die Schokofahrt von Amsterdam nach Würzburg in 3 Tagen gemacht hatten, gemütlich. Es handelt sich allerdings auch um Fahrrad Kuriere, die es gewohnt sind hunderte von Kilometern in Höchstgeschwindigkeit durch die Gegend zu radeln.  (Entschuldigt bitte den Dreck, den wir in eurer Wohnung hinterlassen haben :-/)

Tag 8: Yeah … letzte Etappe – Würzburg nach Nürnberg (115 KM)

Wir verlassen Würzburg bei schönstem Wetter und haben noch einen besonderen Mitfahrer namens Gerhard, seines Zeichens Radfahrlegende im Würzburger Raum, dabei. Auch er hat die Schokofahrt selbst schon erledigt und dafür nur einen Tag länger gebraucht als die Rad Kuriere obwohl er ein paar Jahrzehnte mehr  Lebenserfahrung aufzuweisen hat. Er zieht uns praktisch in ungeahnter Geschwindigkeit die ersten 35 KM Richtung Nürnberg und fährt dann wieder zurück nach Hause. So schnell sind wir bisher noch nicht unterwegs gewesen.

Während der weiteren Fahrt bauen sich langsam erste Wolken auf und wir schaffen es gerade rechtzeitig in ein fränkisches Wirtshaus kurz vor Ladenschluss um noch was zu Essen zu bekommen und um in Ruhe die Regenkleidung für den Rest des Tages anzulegen.

Gelassen radeln wir weiter und wähnen uns schon in Sicherheit bis wir zwischen Vach und Nürnberg die schwarze Wolke, eine Shelf Cloud, erblicken, die uns bis Nürnberg St. Johannis verfolgen sollte.

Mich hat’s dann nochmal so richtig erwischt, als ich die Restliche Strecke zum Nürnberger Hauptbahnhof fahre. Aber egal. Nach 825 Kilometern, will ich nur noch schnell nach Hause 🙂

Alles in Allem war es super schön, die Streckeneinteilung gerade richtig und die Mitfahrer super entspannt und lustig.

Die Fahrer

Finish-Nuernberg

Die Strecke

[  tsmap track=39  ] ist zu gross für meinen Server 🙁

Finde mehr Infos zur Schokofahrt allgemein:  https://schokofahrt.de

und zur Nürnberger Tour : https://www.facebook.com/schokofahrtnuernberg

Nicht vergessen: Video guggen! 

Übrigens, wenn ihr euch für Lastenräder interessiert und gerne mal Eines (kostenfrei) ausleihen möchtet, dann schaut gleich mal auf der Seite des Projekts “Lastenrad für Alle” des gemeinnützigen Vereins BLUEPINGU e.V. vorbei.

[post_views post_types=”post,page,gmedia_gallery” phrase=”Views:”]

Radtour: Berlin – Ostsee – Ueckermünde

So, also am Montag der letzten Augustwoche, nach einer monatelangen Hitzewelle, hab ich mich aufgemacht um eine kleine Fahrradreise zu unternehmen.

Aus dem Radweg Berlin – Kopenhagen und dem  Ostseeküstenradweg und dem Oder-Neiße Radweg und ein paar weiteren kleineren Radwegen hab ich einen Loop von Berlin entlang der Osteeküste und wieder zurück nach Berlin geplant.

Die Gesamtstrecke des Loops war so ca. 1100 Kilometer. Da ich allerdings nur 6 bis 7 Tage Zeit hatte, war klar, dass die ganze Strecke nicht zu schaffen sein würde.
Stattdessen fuhr ich 6 Tage lang von Berlin bis nach Ueckermünde und so insgesamt ca. 730 Kilometer.

Die ganze Strecke hab ich dabei sowohl mit meinem Garmin GPS aufgezeichnet als auch mit Strava. Die Strava Aufzeichnung wird automatisch an die Relive App weitergeleitet, die den Track in eine Art 3D Film erstellt.

Das Alles und ein paar Bildchens könnt ihr nun betrachten. Viel Spass!

Wie wars eigentlich?

Super wars. Hat sehr viel Spass gemacht. An manchen Stellen war ich zu schnell und hätte mir einen anderen Fokus der Reise gewünscht ( nämlich auf Sightseeing anstatt Strecke machen).

Selbstredend waren die ersten beiden Tage recht kühl. Der dritte Tag war unerwartet, ganztägig sonnig und ich hatte natuerlich die Sonnencreme ganz unten in meiner Packtasche verstaut.

Am vierten Tag hatte ich die Sonnencreme in meiner Lenkertasche griffbereit. Der Tag war allerdings von Dauerregen geprägt, so dass ich sie nicht benötigte.

Am fünften Tag stellte ich erfreut fest, dass meine Schmerzen im unteren Rücken komplett verschwunden waren. (Die Tage vorher waren sie regelmässig nach ca. 60 KM aufgetreten)

Alles in Allem gab es immer wieder überraschend auftretende Kopfsteinpflaster Passagen. Die Längste deckte die gesamte Strecke zwischen Stralsund und Greifswald ab(!!)

Fazit: Fahrradreisen rocks !!!

 

 

Day 1 – Friedrichshain nach Neu Canow  (157 KM)

 

Relive ‘Berlin-Ostsee-Berlin Day 1’


 

Day 2 – Neu Canow nach Krakow am See (122 KM)

Relive ‘Berlin-Ostsee-Berlin Day 2’


 

Day 3 – Krakow am See nach Dierhagen Strand – Ostsee (130 KM)

Relive ‘Beelin-Ostsee-Berlin Day 3’


 

Day 4 – Dierhagen Strand nach Stralsund (97 KM)

Relive ‘Berlin-Ostsee-Berlin’


 

Day 5 – Stralsund nach Kamminke / Usedom (143 KM)

Relive ‘Berlin-Ostsee-Berlin Day 5’


 

Day 6 – Kamminke nach Ueckermünde (82 KM)

Relive ‘Berlin-Ostsee-Berlin Day 6 (letzter Tag)’


 

Critical Mass Berlin – Juli 2018

Jeden letzten Freitag im Monat findet eine Fahrradtour statt, die sogenannte Critical Mass. Bei schönem Wetter, wie in diesem Sommer, nehmen tausende Fahrradfahrer jeglicher Couleur teil.

Für mehr Infos und Termine guggst du hier:  http://www.critical-mass-berlin.de/infos/

Letzten Freitag nahm ich zum ersten Mal “ernsthaft” teil und wollte bis zum Ende mitfahren. Nach 45 Kilometern, als die Kirchturmuhr Mitternacht schlug und die Tour zufällig durch meinen Kiez kam, bin ich dann doch kurzerhand ausgestiegen – enough is enough –

Hier ist die Route (bis zur Frankfurter Allee):

 

und hier ein paar Pics: